"Fellnasen vom Pfälzerwald"

Zucht von mongolischen Rennmäusen

Gesundheit:

Trotz artgerechter Haltung und ausgewogener Ernährung kann eine Rennmaus im Verlauf ihres Lebens erkranken. Aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels bauen Rennmäuse innerhalb kürzester Zeit körperlich sehr stark ab, weshalb sie bei auftretenden Krankheitssymptomen schnellstmöglich tierärztlich behandelt werden müssen. Eine Erkrankung ist nicht immer direkt sichtbar, oftmals wird sie vom Halter erst spät bemerkt wenn das Tier deutliche Anzeichen wie rasche Gewichtsabnahme, Futterverweigerung, apathische Verhaltensweisen o.ä. zeigt. Um mögliche Krankheitsanzeichen frühzeitig zu erkennen ist es wichtig, die Rennmäuse täglich zu beobachten und wöchentliche Gesundheits-Checks durchzuführen.

Folgende Informationen basieren auf Erfahrungen und Beobachtungen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und medizinische Fachkenntnis. Sie können keine tierärztliche Diagnose und Behandlung ersetzen.

Gesundheits-Checks und mögliche Krankheitsanzeichen:

  • Gewichtskontrolle: Einmal pro Woche sollte das Gewicht der Rennmaus kontrolliert werden. Dazu eignet sich eine Küchenwaage, wobei die Renner vermutlich nicht ruhig auf der Waage sitzen bleiben. In diesem Fall empfiehlt es sich die Rennmaus mit Hilfe einer Transportbox oder kleinen Schüssel zu wiegen. Ein typisches Idealgewicht gibt es bei Rennmäusen nicht. Das Gewicht ist von unterschiedlichen Faktoren wie Geschlecht, Wurfgröße u.ä. abhängig. Das Gewicht ausgewachsener männlicher Tiere liegt in der Regel zwischen 70g - 120g, bei Weibchen zwischen 60g - 100g, wobei Gewichtschwankungen von bis zu 5g in der Woche als normal betrachtet werden. Sofern sich die Maus aktiv verhält, wohl proportioniert ist und einen gleichmäßigen Bewegungsablauf hat, besteht kein Grund zur Sorge.  Vorsicht ist jedoch geboten wenn die Rennmaus unter starkem Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit leidet, dies weist auf eine Erkrankung oder großen Stress hin. Stehen beispielsweise die Knochen hervor muss die Maus umgehend tierärztlich untersucht werden. Verlieren alle Tiere der Gruppe an Gewicht kann dies auf eine Mangelernährung zurückzuführen sein, folglich sollte die Futterzusammenstellung überprüft werden.                                                                                                                                                                                                                                                                                                            
  • Verletzungen: Täglich sollte nachgeschaut werden ob die Tiere eine Verletzung, beispielsweise durch Beißereien, Stürze oder scharfe Kanten aufweisen. Kleine Wunden heilen meist innerhalb weniger Tage ab, sofern Entzündungen vorgebeugt wird. Dazu eignet sich das Auftragen von „Betaisadonna“ Tinktur (Achtung: Nicht auf der Nase auftragen-> Atembeschwerden). Direkt nach dem Auftragen sollte die Rennmaus durch Leckerlis abgelenkt werden damit sie die Tinktur nicht ableckt. Zusätzlich ist es empfehlenswert die verletzte Maus einige Tage auf unbehandelten Küchentüchern zu halten, damit die Wunde nicht durch die Einstreu verunreinigt wird. Größere und tiefe Wunden sollten unbedingt tierärztlich untersucht werden.                                                                                                                                Höhen schätzen die kleinen Nager manchmal falsch ein, weshalb aufgrund von Stürzen Knochenbrüche auftreten können. Ist die Beweglichkeit der Rennmaus eingeschränkt, schont sie ein Bein oder steht ein Bein schräg vom Körper ab, deutet dies auf eine Fraktur hin. Die Rennmaus sollte umgehend tierärztlich versorgt werden.                                                                                                                                                        Durch Kämpfe oder falsches Anfassen durch den Halter können Rennmäuse unter Schwanzverletzungen leiden. Bitte die Maus niemals am Schwanz ziehen oder hochheben - die Schwanzhaut kann abreißen. Der verbliebene Teil des Schwanzes am Körper trocknet ein und stirbt ab, wobei in diesem Zusammenhang eine ärztliche Wundversorgung oder ein operativer Eingriff erforderlich sein kann.


  • Veränderte Augen: verklebte, trübe, verdickte, halb oder ganz geschlossene Augen sind ein eindeutiges Krankheitsanzeichen der Rennmaus. Veränderungen der Augen können auf eine Vielzahl von Erkrankungen hinweisen. Verklebte oder Verkrustete Augen deuten auf eine Augenerkrankung, beispielsweise Bindehautentzündung oder Infektion hin. Ein hervorquellendes Auges könnte auf eine Tumorerkrankung hindeuten. Sind die Augen der Rennmaus nur halb geöffnet oder ganz geschlossen, geht es der Maus nicht gut, womöglich leidet sie unter Schmerzen und sollte unbedingt tierärztlich untersucht werden. Tritt rötliches Sekret am Auge oder an der Nase, handelt es sich meist um das Sekret der Harder`schen Drüse.                                                                                                                                                                                                                                                                    

  •  Ohren verklebt, Schorfbildung, Kopfschiefhaltung: Verklebte Ohren deuten bei Rennmäusen meist auf eine Infektion hin, beispielsweise eine Mittelohrentzündung, die sich recht schnell verschlimmern kann, sodass eine Schiefhaltung des Kopfes und/oder Störungen des Gleichgewichts auftreten kann. Wird diese äußerst schmerzhafte Infektion nicht behandelt kann das Tier daran versterben. Eine mehrfach auftretende Mittelohrentzündung kann auf eine Hirnhautentzündung hinweisen. Kopfschiefhaltung oder Gleichgewichtsstörungen können ebenfalls auf einen möglichen Schlaganfall oder eine Tumorerkrankung hindeuten.                                                                                         Schuppige oder verschorfte Stellen am Ohr, häufig einhergehend mit einem vermehrten Kratzen, weisen auf einen möglichen Parasitenbefall oder eine Pilzerkrankung hin.                                                                                                

  • Fell: Um Krankheiten frühzeitig zu erkennen sollte der Halter auf das Fell der Rennmaus achten.              Stumpfes, glanzloses Fell deutet auf die Benutzung von ungeeignetem Badesand hin.                                   Aufgeplustertes, struppiges Fell deutet oftmals auf einen Parasitenbefall, beispielsweise Milben oder Haarlinge, hin. Ein Parasitenbefall bei Rennmäusen ist äußerst stressig für Tiere und Halter, weshalb zur Vermeidung entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden sollten. Durch den ständigen Juckreiz kratzt sich die Rennmaus eventuell blutig oder verliert Fell. Einige Parasitenarten sind mit bloßem Auge nicht erkennbar und können sich auf den Menschen übertragen.  Eine unzureichende Gehegebelüftung, falsche Käfigeinrichtung, Stress, Revierkämpfe, schlechte Ernährung oder bestehende Krankheiten begünstigen einen Parasitenbefall. Oftmals werden Parasiten durch Einstreu, Heu, Grasnester, Äste oder neue Tiere eingeschleppt. Bei einem Parasitenbefall sollte die betroffene Maus sowie auch vorsorglich die anderen Gruppenmitglieder tierärztlich behandelt werden, häufig werden dazu sog. „Spot on“-Präparate (Stronghold, Advocate o.ä.) eingesetzt. Weiterhin sollte der Tierarzt die Parasitenart bestimmen.  Der Halter sollte neben den Tieren zusätzlich den Käfig sowie die gesamte Einrichtung mitbehandeln: Einstreu, Nistmaterial usw. schnellstmöglich entsorgen. Den Käfig gründlich mit heißem Essigwasser auswaschen oder mit einem Dampfreiniger behandeln. Anschließend mit „Ardap“-Ungezieferspray besprühen und gründlich auslüften lassen. Das Ungezieferspray bitte niemals auf die Mäuse sprühen! Die Rennmäuse sollten während der Reinigungsprozedur in einer Transportbox oder einem Notfallkäfig in einem anderen Raum untergebracht sein. Käfigeinrichtung aus Holz sollte entsorgt oder ausgebacken werden (ca. 60-90 min. bei 100 Grad -> Vorsicht Brandgefahr). Keramikteile können für 2 min. auf höchster Stufe der Mikrowelle ausgesetzt werden. Ebenfalls besteht die Möglichkeit die Käfigeinrichtung für 48-72 Stunden im Gefrierfach zu verstauen um Parasiten loszuwerden. Es empfiehlt sich die Rennmäuse einige Tage in einem Notfallbecken auf unbehandeltem Küchenpapier (tägliches Auswechseln) zu halten um den Befall genau beobachten zu können. Häufig ist es nötig die komplette Reinigungsprozedur nach einigen Tagen zu wiederholen um neu geschlüpfte Parasiten abzutöten.             Kahle oder schorfige Stellen im Fell deuten auf einen Pilzbefall hin, die Rennmaus sollte unbedingt tierärztlich untersucht werden. Die genaue Diagnose ist nur durch das Anlegen einer Kultur möglich, wozu ein sog. „Hautgeschabsel“ oder eine Haarprobe entnommen wird. Stress, falsche Gruppenkonstellation, Krankheiten, schlechte Ernährung, Unsauberkeit oder feuchtes Klima begünstigen einen Pilzbefall.                                                                                                                                                                   Bei einem leichten Pilzbefall an einer kleinen Stelle ist es i.d. R. ausreichend die befallene Stelle 2 x täglich mit einem lokal wirkenden Antimykotikum zu behandeln. Bei großflächigem Pilzbefall ist die Behandlung mit einem oralen Mittel sinnvoller, beispielsweise Lufenuron oder Itraconazol. Pilze können auch für Menschen ansteckend sein, weshalb die erkrankte Rennmaus sowie auch die anderen Gruppenmitgliedern nur mit geeigneten Handschuhen berührt werden sollten. Auf Sauberkeit und Hygiene ist unbedingt zu achten. Auch bei einem Pilzbefall steht dem Halter eine intensive Reinigungsprozedur bevor um die Vermehrung der Schimmelsporen einzudämmen. Am Besten wird das Gehege mit Essigwasser gründlich gereinigt, anschließend mit Bactozol besprüht und ausgelüftet. Heunester und Einstreureste müssen komplett entsorgt werden. Holzteile für 60 Minuten bei knapp 100 Grad im Ofen ausgebacken (Achtung Brandgefahr!).


  • Duftdrüse: Eine verkrustete oder eitrige Duftdrüse deutet auf eine Entzündung hin. Bei einer entzündeten Duftdrüse sollte die Rennmaus vom Tierarzt mit Antibiotika behandelt werden. Zusätzlich wird die entzündete Stelle vom Tierarzt vorsichtig gespült und desinfiziert. Es empfiehlt sich die Rennmaus mitsamt ihren Gruppenmitgliedern bis zur Abheilung auf unbehandelten Küchenpapier zu halten, damit die Wunde nicht durch die Einstreu verunreinigt wird.                                                             Zu den häufig auftretenden Tumorerkrankungen zählt der Duftdrüsentumor. Die Wucherung ist meist deutlich an der Duftdrüse sichtbar und kann i.d.R. operativ entfernt werden.


  • Zähne und Krallen: Um dem unaufhörlichen Krallen- und Schneidezahnwachstum entgegen zu wirken sollte den Rennmäusen ausreichend abwechselungsreiches Nagematerial zur Verfügung gestellt werden. Dazu eignen sich Zweige, Äste, Korktunnel, Ton, Steine etc. In der Regel müssen die Krallen der Tiere nicht manuell gekürzt werden und nutzen sich naturgetreu ab. Bei zu langen Krallen besteht jedoch ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Rennmaus. Sollte eine Kürzung der Krallen notwendig sein, sollte dies vom Tierarzt übernommen werden, da die Gefahr einer Verletzung der flinken Tiere recht groß ist.           Beim wöchentlichen Gesundheitscheck sollte der Halter unbedingt auf die Länge der Vorderzähne achten. Die Nagezähne der Mäuse wachsen ständig nach, weshalb sie gerade zueinander stehen sollten, sodass sie sich gut abnutzen. Die Farbe der Zähne ist gelb bzw. orange. Sind die Zähne zu lang sollte der Maus unbedingt mehr Nagematerial zur Verfügung gestellt werden. Eventuell müssen die Zähne vom Tierarzt gekürzt werden.                                                                                                                                                            Sofern ein Schneidezahn abbricht, sollte die Maus vom Halter gut beobachtet werden. Nimmt das Tier ausreichend Futter zu sich und nutzen sich die anderen Zähne weiterhin gleichmäßig ab, reguliert sich das Problem meist von selbst. Ist die Rennmaus nicht mehr in der Lage genug Futter zu sich zu nehmen, verliert an Gewicht oder treten Zahnfehlstellungen sowie unausgeglichene Abnutzung auf, sollten die Zähne umgehend vom Tierarzt untersucht werden, eventuell muss die Maus zwangsernährt werden, was für die Tiere sehr großen Stress bedeutet.       

                                                                                                                                                                                   

  • Vermehrte Flüssigkeitsaufnahme: Grundsätzlich nehmen mongolische Rennmäuse pro Tag ca. 3-4 ml Flüssigkeit zu sich, im Sommer bei starker Hitze ein wenig mehr. Beobachtet der Halter bei einem Tier eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, kann dies auf eine Harnwegs- oder Nierenerkrankung hindeuten, oftmals einhergehend mit Aktivitätsverlust oder erhöhter Urinausscheidung. Blut im Urin sowie ein deutlich gekrümmter Rücken oder Schmerzen beim Urinieren, stark riechender Urin sind ebenfalls deutliche Anzeichen einer Blasen- oder Nierenerkrankung. Die Rennmaus sollte schnellstmöglich tierärztlich untersucht werden.                                                                                                                                   Auch eine Diabetes-Erkrankung kann zu vermehrter Flüssigkeitsaufnahme der Rennmaus führen. Ähnlich wie beim Menschen wird auch bei Rennmäusen zwischen Typ I und Typ II unterschieden, wobei Typ I (=Vererbbare Autoimmunerkrankung) eher selten auftritt. Zusätzlich zur vermehrten Flüssigkeitsaufnahme deuten Aktivitätsverlust und auch Phasen gesteigerter Aktivität bis hin zu aggressiven Verhaltensweisen auf Diabetes hin, wobei beide Phasen im Wechsel auftreten. Der erhöhte Blutzuckerspiegel sorgt zunächst für Hyperaktivität, die Rennmaus verausgabt sich, steigt der Blutzuckerspiegel weiter an wird das Tier inaktiv. Einer an Typ II erkranken Maus kann durch Ernährungsumstellung und ein ausreichendes Bewegungsangebot ein weitgehend normales Leben ermöglicht werden. Eine Therapie durch die Gabe von Insulin ist bei Rennmäusen nicht möglich, weshalb die Vorbeugung in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielt.                                                     Eine ausgewogene Ernährung, bestehend aus unterschiedlichen Futterkomponenten, wie Kleinsämereien, Grünfutter und Kräutern beugt Diabestes- Erkrankungen (Typ II) vor. Auf Zuckerhaltige Fütterung, beispielsweise zuckerhaltige Leckerchen, Trockenobst oder Knabberstangen aus Zoofachgeschäften sollte verzichtet werden. Ein großes Gehege mit ausreichend Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeiten beugt Übergewicht und somit auch TypII-Diabetes vor.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    
  • Atemwegserkrankungen: Infektionen der Atemwege treten bei Rennmäusen leider recht häufig auf, so kann sich die Rennmaus beispielsweise bei ihrem erkälteten Körnergeber anstecken. Weiterhin führen Fehlernährung, Zugluft, plötzliche Temperaturwechsel, Stress, Unsauberkeit sowie eine zu hohe Luftfeuchtigkeit häufig zu einer verminderten Immunabwehr und folglich zu Infektionen. Zigarettenrauch ist ebenfalls gefährlich für die Nager und sollte unbedingt vermieden werden. Niesen, Schnupfen, Nasen- oder Augenausfluss, Klickgeräusche beim Atmen, Aktivitätsverlust, starke Flankenatmung sind häufige Symptome einer Atemwegsinfektion. In schwerwiegenden Fällen tritt bei der Rennmaus sehr schnell eine lebensgefährliche Lungenentzündung ein, weshalb auftretende Symptome nicht unterschätzt und intensiv beobachtet werden sollten. Die erkrankte Maus sollte daher vom Tierarzt untersucht werden. Meist wird zur Behandlung ein Antibiotikum in Kombination mit einem Vitaminpräparat oder BeneBac (zur Verbesserung der Darmflora) eingesetzt. Um das Tier warm zu halten, empfiehlt sich der Einsatz einer Rotlichtlampe. Bitte darauf achten, dass nicht das komplette Gehege mit Rotlicht bestrahlt wird. Die Maus sollte selbst entscheiden ob sie die Wärmequelle für sich nutzen möchte. Die Behandlung mit einem Antibiotikum muss auch nach dem Abklingen der Symptome ordnungsgemäß weitergeführt werden. Im akuten Krankheitsfall ist es durchaus möglich, dass die Rennmaus die Nahrungsaufnahme verweigert. Dauert die Nahrungsverweigerung länger an, ist es eventuell nötig das Tier mit geeignetem Päppelbrei aufzupäppeln. Eine Zwangsernährung durch den Halter bedeutet jedoch sehr großen Stress für die Tiere und sollte nur im Notfall vorgenommen werden.

 

  • Allergien: Auch Rennmäuse können unter Allergien bzw. Unverträglichkeiten, beispielsweise gegen die benutzte Einstreu, Heuart oder auch Futtermittel, leiden. Oftmals wird eine mögliche Unverträglichkeit vom Halter oder auch vom Tierarzt nicht direkt als solche erkannt, da die Symptome sehr vielfältig sein können. Juckreiz, Niesen, tränende Augen, Durchfall können auf eine Allergie hinweisen. Zuvor sollte jedoch durch Vorstellung beim Tierarzt eine andere Erkrankung, z. B. Parasitenbefall, Atemwegserkrankungen usw., ausgeschlossen werden. Zur Testung von Allergien sollte die Reaktion der Rennmaus auf einzelne Komponenten (Streu, Einstreu, Futtermittelbestandteile) beobachtet werden. Mitunter kann es ziemlich lange dauern bis der Allergieauslöser gefunden wird. Dieser sollte sofort beseitigt bzw. durch eine verträgliche Variante ersetzt werden.


  • Durchfallerkrankungen: weicher, matschiger Kot, eine verklebte Afterregion und strenger Kotgeruch, aufgeblähter Bauch, ungepflegtes bzw. verschmutztes Fell, rasche Gewichtsabnahme sind ernstzunehmende Krankheitssymptome. Eine Durchfallerkrankung führt aufgrund des schnellen Stoffwechsels sehr schnell zu Nährstoff- und Flüssigkeitsverlust, was innerhalb weniger Stunden mit dem Tod des Tieres einhergehen kann. Der Halter sollte mit der erkrankten Maus schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen sofern der Durchfall länger als 24 Stunden anhält! Die Mitnahme einer Kotprobe wäre sinnvoll. Vom Tierarzt wird der Kot auf Parasitenbefall oder bakterielle Infektionen untersucht und dementsprechend kann die Maus behandelt werden. Verschmutzungen in der Afterregion oder sonstigen Körperstellen der Rennmaus sollten vorsichtig mit einem feuchten Waschlappen gereinigt werden, da ansonsten Hautreizungen und Entzündungen entstehen können. Um eine Auskühlung zu verhindern sollte der Rennmaus eine Wäremequelle (Rotlicht, umwickelte Wärmflasche) zur Verfügung gestellt werden. Es empfiehlt sich die gesamte Rennmausgruppe in einem geeigneten Quarantänebecken unterzubringen. Stress durch falsche Gruppenzusammensetzung, Vergesellschaftungen, lange Autofahrten, Hitzeschlag, zu schnelle Futterumstellungen oder falsche Ernährung begünstigen Durchfallerkrankungen. Um die erkrankte Maus vor Dehydration zu schützen sollte genau beobachtet werden ob die Maus Flüssigkeit zu sich nimmt. Trinkt sie nicht mehr von alleine, sollten ihr vorsichtig mehrmals am Tag eine kleine Menge Wasser oder Kamillentee eingeflößt werden. Auch in diesem Krankheitsfall ist es eventuell nötig die kranke Maus mit einem Päppelbrei oder BeneBac aufzupäppeln. Eine Zwangsernährung durch den Halter bedeutet jedoch sehr großen Stress für die Tiere und sollte nur im Notfall vorgenommen werden.                                                                                                                        Gespritztes und unzureichend gewaschenes Grünfutter oder Obst sowie verschimmeltes oder schlechtes Trockenfutter können ebenfalls zu Durchfall führen.

 

  • Aufgeblähter Bauch: ein harter, gespannter, aufgeblähter Bauch, meist in Verbindung mit Inaktivität, stark gekrümmter Sitzhaltung, wenig/keine Kotabgabe deutet auf eine Fehlgährung im Magen- /Darmtrakt hin, was meist durch falsche Ernährung, zu schnelle Futterumstellung, zu nasses Futter oder Nahrungsunverträglichkeiten hervorgerufen wird. Kohlhaltiges Futter sollte bei Rennmäusen nicht gefüttert werden. Halten die Symptome mehr als ein paar Stunden an sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden.                                                                                                                                          Des Weiteren kann ein stark vergrößerter, aufgeblähter Bauch auf die sog. „Bauchwassersucht“ hindeuten, welche häufig mit Tumorerkrankungen oder Gebärmutterentzündungen einhergeht. Bei der Bauchwassersucht handelt es sich um Wasseransammlungen, die den Bauch prall gefüllt erscheinen lassen und sich zunehmend vergrößern. Zu Beginn der Erkrankung scheinen die Mäuse noch recht fit und agil. Im weiteren Verlauf ist die Bewegungsfähigkeit der Maus allerdings eingeschränkt. Zusätzlich drückt das prall gefüllte Gewebe auf die inneren Organe und erschwert die Atmung. Die Bauchwassersucht stellt ein Symptom dar, keine Grunderkrankung, weshalb durch einen Tierarztbesuch die Ursache bzw. die auslösende Erkrankung herausgefunden werden sollte. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich zur Diagnostik eine umfassende Ultraschalluntersuchung.

  

  • Tyzzersche-Krankheit: die sog. „Tyzzer’s Disease“ wird durch das Bakterium Clostridium piliforme verursacht, welches bei vielen Rennmäusen zwar im Darm vorhanden ist, sich jedoch bei übermäßiger Vermehrung  zu einer äußerst gefährlichen Erkrankung manifeszieren kann. Jungtiere, stillende Weibchen, gestresste und ältere Tiere sind besonders gefährdet, wobei die Sterberate bei akut erkrankten Tieren bei ca. 75-80 % liegt. Die Besonderheit des Bakteriums liegt darin, dass eine Erkrankungen nicht sichtbar ausbrechen muss, folglich kann eine Rennmaus Träger des Erregers sein ohne an offensichtlichen Tyzzer-Symptomen zu leiden, dennoch kann die Krankheit jederzeit akut ausbrechen. Symptome der akuten Erkrankung sind häufig Lethargie, struppiges Fell und Gewichtsverlust, wobei der Tod der Tiere  innerhalb von 48-72 eintritt. Wässriger Durchfall kann als zusätzliches Begleitsymptom auftreten. Aufgrund der kurzen Zeitspanne ist eine Behandlung der Tiere nicht immer erfolgreich, sollte jedoch unbedingt vom Tierarzt mit einem Antibiotikum versucht werden. Zusätzlich sollten unterstützende Maßnahmen wie das Anbieten einer Wärmequelle, Flüssigkeitszufuhr und Vitaminzufuhr durchgeführt werden.                                                                                                                                                                              Bei der chronischen verlaufenden Form treten Leberschädigungen, schleichender Gewichtsverlust und struppiges Fell auf, bis die Tiere letztendlich versterben. Sofern das zentrale Nervensystem betroffen ist, zeigen die Tiere Gleichgewichtsstörungen und eine Schiefhaltung des Kopfes. Bei einer Untersuchung post mortem ist eine vergrößerte Leber mit stellenweise abgestorbenen Bereichen zu erkennen, im Darmtrakt finden sich häufig Ödeme und Blutungen. Unbedingte Hygiene und Kontaktvermeidung mit anderen potenziellen Überträgern (andere Nager) sind äußerst wichtig um Ansteckungen vorzubeugen, die Rennmaus sollte also von anderen Mäusen separiert werden. Durch die mit Kot kontaminierte Einstreu überträgt sich das Bakterium, wobei die Sporen bis zu zwei Jahre lang infektiös sind. Gegen herkömmliche Desinfektionsmittel ist der Erreger meist resistent. Die anderen Gruppenmitglieder sollten unbedingt mit Antibiotika mitbehandelt werden: ein akuter Ausbruch kann dadurch zwar verhindert werden, dennoch kann die Krankheit erneut ausbrechen sofern die Tiere Stressbelastung, Unsauberkeit o.ä. ausgesetzt sind.


  • Tumorerkrankungen/ Wucherungen: treten bei mongolischen Rennmäusen leider, gerade bei älteren Tieren, recht häufig auf. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen außen liegenden Tumoren, die meist gut zu erkennen und auch zu entfernen sind. Innen liegende Tumore sind leider nicht immer sichtbar und werden meist erst spät bemerkt. Da der Zugang zum Tumor deutlich erschwert ist, können diese nicht immer ohne Komplikationen entfernt werden. Operative Eingriffe sind bei Rennmäusen immer mit Risiken behaftet. Symptome wie eine tastbare Verdickung unter der Haut, eine sichtbare Ausbeulung, sichtbar verändertes Gewebe und allgemeine Krankheitszeichen wie starker Gewichtsverlust und Aktivitätsverlust, Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen sollten unbedingt vom Tierarzt untersucht werden. Der Behandlungsverlauf ist stark abhängig vom Alter des Tieres sowie der Art des Tumors bzw. der Wucherung. Eine richtige Vorbeugung gegen Tumorerkrankungen gibt es nicht. Mögliche Ursachen sind nicht eindeutig auszumachen, eine gewisse Anfälligkeit ist dennoch genetisch bedingt. Artgerechte Haltung, wenig Stress und ein guter Allgemeinzustand der Rennmaus können das Risiko für Tumore senken. Durch einen regelmäßigen Gesundheitscheck der Tiere lassen sich außen liegende Tumore und Wucherungen frühzeitig erkennen und behandeln.

 

  • Hitzeschlag/ Dehydration: fälschlicherweise wird oftmals angenommen, dass mongolische Rennmäuse aufgrund ihrer Herkunft hohe Temperaturen problemlos vertragen, dies ist jedoch nicht der Fall. Gerade im Sommer können hohe Temperaturen für Rennmäuse sehr gefährlich sein. Dabei sollte sich der Halter nicht an den Außentemperaturen, sondern an der Innentemperatur orientieren. Im Gehege oder Aquarium können deutlich höhere Temperaturen herrschen. Temperaturen über 28 Grad können für Rennmäuse gefährlich werden. Ein Transport von Rennmäusen sollte im Sommer vermieden werden.        
    Grundsätzlich verhalten sich die Rennmäuse bei hohen Temperaturen etwas inaktiver, nehmen etwas mehr Flüssigkeit zu sich und werden häufig erst in den Abendstunden zunehmend aktiver.                     Besonders gefährdet vom sog. „Hitzeschlag“ sind übergewichtige, ältere oder schwangere Tiere. Symptomatisch treten bei einem Hitzeschlag Apathie bis hin zu völliger Teilnahmslosigkeit, starke Flankenatmung und schneller meist schwach fühlbarer Puls auf. Bei einem Hitzschlag muss der Halter unverzüglich handeln! Die Rennmaus sollte schnellstmöglich in ein feuchtes Tuch (nicht klatschnassesn nur kurz im Kühlschrank gekühlt) gewickelt und zum Tierarzt gebracht werden.                                               Der Tierarzt wird der Rennmaus vermutlich ein kreislaufstabilisierendes Medikament verabreichen. Mit der Fahrt zum Tierarzt sollte keineswegs gewartet werden bis sich der Zustand von alleine bessert, die Rennmaus verstirbt sehr schnell.
                                                                                                                                    Zur Vorbeugung eines Hitzeschlags kann den Rennmäusen auf vielerlei Art und Weise Kühlung verschafft werden: Das Rennmausheim sollte großzügig eingestreut sein, damit sich die kleinen Fehlnasen kühle unterirdische Höhlen bauen können.                                                                        Im Kühlschrank gekühlte Fließen, Tontöpfe, Steine oder Keramikhäuschen werden von den Mäusen im Sommer gerne zur Abkühlung genutzt. Ein gekühltes Sandbad mit angefeuchtetem Sand oder gekühlter Erde hat sich ebenfalls bewährt.                                                                                                                         Zusätzlich ist es wichtig auf gute Belüftung im Gehege zu achten (Zugluft bitte trotzdem vermeiden:keine Ventilatoren o.ä.). Tagsüber empfiehlt es sich die Fenster und Rolläden zu schließen damit weniger Hitze eindringt, abends gerne lüften, jedoch auch dabei bitte Zugluft vermeiden.                                                         Legt man einen umwickelten Kühlakkus auf das Gehegegitter verschafft dieser den Tieren Abkühlung, da gekühlte Luft nach unten zieht.Bitte den Akku nicht im Rennmausheim deponieren!                                        Den Mäusen sollte im Sommer vermehrt Frischfutter angeboten werden, täglich frisches Wasser versteht sich von selbst.

 


  • Erbkrankheiten:                                                                                                                                                                              Zur Epilepsie bei Rennmäusen: Viele Rennmaushalter sowie auch ZüchterInnen setzen diverse abstruse Methoden ein um ihre Jungtiere auf Epilepsie zu testen, so werden beispielsweise Jungtiere, die gerade erst loskrabbeln, einigen traumatisierenden Situationen ausgesetzt um ihr Verhalten zu testen. Rollt sich das Jungtier zusammen, erzittert oder erstarrt vor Angst, wird dem Tier Epilepsie diagnostiziert. Diese Arten der Stresstests wiedersprechen oftmals dem Tierschutzgesetz.                            Ich gebe an dieser Stelle zu bedenken, dass es in keiner Tierzucht möglich ist Epilepsie anhand von Verhaltenstests in Stresssituationen sicher nachzuweisen, dazu bedarf es eines Gentests sowie EEG- Untersuchungen.                                                                                                                                                                     Ebenso ist zu bedenken, dass es sich bei einem Krampfanfall eines Tieres nicht automatisch um Epilepsie handelt. Nährstoffmangel (unzureichendes/falsches Futter), Stoffwechselerkrankungen o.ä. führen bei Tieren zu Krämpfen und Krampfanfällen, welche häufig mit einem epileptischen Anfall verwechselt werden können.                                                                                                                                                          Epilepsie ist jedoch eine Funktionsstörung des Gehirns, infolge exzessiver Entladungen von Neuronen Anfälle in Form von mehr oder wenigen starken Krampfzuständen und Zuckungen des Körpers auslöst werden. Während des Anfalls hat das Tier keine Kontrolle über sein Tun, der Anfall kann auch nicht unterbrochen werden. Meist geht der Anfall innerhalb weniger Minuten ohne bleibende Schäden vorüber und das Tier erholt sich problemlos,  dennoch sollte die Rennmaus unbedingt beim Tierarzt vorgestellt werden um mögliche zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen. Bei mongolischen Rennmäusen tritt eine Epilepsie-Erkrankung häufig innerhalb ersten drei Lebensmonate auf und lässt mit zunehmendem Alter nach.                                                                                                                                    Natürlich kann eine Rennmaus, wie jedes andere Tier unter einer Erbkrankheit leiden, dabei muss die Erkrankung nicht immer direkt sichtbar sein. In der Vererbungshierachie sind bisher noch keine eindeutigen und klar definierten Vererbungswege bei der Rennmaus erforscht, dennoch sollte eine an Epilepsie erkrankte Maus nicht zur Zucht eingesetzt werden.                                                                                                                                                                                                                          Schlaganfall: Gefäßverschlüsse und Tumore im Gehirn sowie eine Hirnhautentzündung können ebenfalls zu Krampfanfällen oder Schlaganfällen führen. Gerade ältere Rennmäuse sind häufiger von Schlaganfällen betroffen, wobei eine halbseitige Lähmung, Kopfschiefhaltung, torkeln oder Lähmung einzelner Gliedmaßen auftreten kann. Häufig verschwinden die Anzeichen eines Schlaganfalls nach 1-2 Tagen wieder und die Rennmaus erholt sich ohne größeren Folgeschäden, dennoch sollte die Maus tierärztlich untersucht werden. Futter und Wasser sollten in der Nähe der Maus platziert werden, zusätzlich sollte dem Tier Ruhe gegönnt werden. Das Auftreten eines Schlaganfalls muss nicht erblich durch einen genetisch neurologischen Defekt bedingt sein. Dennoch sollte auch mit Rennmäusen, die dieses Krankheitsbild aufweisen nicht gezüchtet werden um eine mögliche Veranlagung nicht weiterzuvererben.