"Fellnasen vom Pfälzerwald"

Zucht von mongolischen Rennmäusen

Haltung und Einrichtung:

Achtung: Bei der Einrichtung der Rennmausbehausung unbedingt auf Plastikprodukte verzichten! Plastikgegenstände werden angenagt:  Verletzungs- und Vergiftungsgefahr!!! Zusätzlich siedeln sich Pilze und Bakterien schneller an!

Gehege:
Zur artgerechten Haltung von zwei Rennmäusen ist das Mindestmaß von 100*50*50 cm unbedingt einzuhalten. Bewährt haben sich bei der Haltung Terrarien, Aquarien oder Eigenbauten mit der Größe von  120*60*60 cm. Bei der Haltung von zwei Rennmäusen kann das Gehege durchaus auch deutlich größer sein.                                                                                                                                                                                   Sofern mehr als zwei Tiere in einer Gruppe gehalten werden, können bei größeren Behausungen Revierstreitigkeiten aufgrund von Terretorialverhalten auftreten: sie können auftreten, müssen aber nicht, trotzdem sollte man die Gruppe genauer beobachten um ggf. schnellstmöglich bei Streitigkeiten eingreifen zu können.                                                                                                                                                         Das Gehege sollte über eine ausreichende Belüftung verfügen, weshalb sich Reptilien-Terrarien aufgrund ihrer geringen Luftdurchlässigkeit nicht eignen, sofern die Belüftungsmöglichkeiten nicht vom Halter zusätzlich optimiert werden. Oft werden Rennmausgruppen in Aquarien gehalten, deren Vorteile darin liegen, dass Gitterstäbe nicht durchgenagt werden können und Einstreu beim buddeln kaum nach außen gelangt. Allerdings sollte auch bei Aquarien auf eine ausreichende Belüftung geachtet werden. Das Anbringen einer Trinkflasche gestaltet sich an den Glaswänden zwar etwas schwierig, ist dennoch mit Hilfe von Saugnäpfen oder Klettbändern möglich. Sofern ein Aquarium als Rennmausheim verwendet wird, sollte man sich eine geeignete, luftdurchlässige Abdeckung bauen, da die Rennmäuse bei fehlender Abdeckung in der Lage sind aus dem Aquarium herauszuspringen.   


Reinigung:
Die Hinterlassenschaften der Rennmäuse sind aufgrund der geringen Flüssigkeitsaufnahme recht trocken und riechen im Vergleich zu anderen Mäusearten kaum. Eine regelmäßige Reinigung des Rennmausheims ist dennoch notwendig, hängt jedoch von der Gehegegröße und der Anzahl der Rennmäuse ab. In der Regel sollte die Behausung alle 8-10 Wochen  gereinigt werden. (Sandbäder sollten je nach Verschmutzungsgrad ungefähr zweimal wöchentlich erneuert werden) Bei frisch vergesellschafteten Gruppen sollte lediglich eine Teilreinigung vollzogen werden. Die Säuberung ihrer Behausung bedeutet grundsätzlich Stress für die Tiere. Beim Wechsel der Einstreu ist es empfehlenswert einen kleinen Teil der benutzten Einstreu im Gehege zu belassen, vorzugsweise im Schlafnest der Tiere, um eine Duftquelle ihres Sippengeruchs zu erhalten.                                                                                                                                      Nachdem die Einstreu der Behausung entsorgt ist, ist es ratsam das Gehege und die Beschäftigungsmöglichkeiten mit heißem Essigwasser abzuwischen/auszuwischen, der genaue Reinigungsprozess ist jedoch immer abhängig vom jeweiligen Gehegematerial. Zur Desinfektion können nach Bedarf Baktazol o.ä. Produkte verwendet werden. Danach sollte das Gehege sowie die behandelten Gegenstände vor dem erneuten Befüllen gut trocknen und auslüften. Während der Gehegereinigung lässt sich auch der Zustand des Rennmausheims gut überprüfen, um kaputte Schlafhäuser und andere Einrichtungsgegenstände zu ersetzen.
                                                                                                 

Standort
: Da Rennmäuse stundenweise im Wechsel tag- und nachtaktiv sind, viel buddeln, graben und im Laufrad rennen, sollte das Gehege nicht unbedingt im Schlafzimmer stehen. Die Küche oder das Badezimmer sind aufgrund der vielfältigen Gerüche ebenfalls ungeeignet. Ein Standort auf dem Balkon, im Keller oder in Fluren empfiehlt sich ebenfalls nicht, da Rennmäuse sehr empfindlich auf Luftzüge reagieren. Bevorzugt wird eher ein ruhiger, heller Raum, da die Tiere über ein ausgesprochen gutes Gehör verfügen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, optimal ist eine Raumtemperatur von 20 Grad Celsius. Des Weiteren sollte in dem Raum nicht geraucht sowie auf Duftlampen, Duftkerzen u.ä. verzichtet werden.                                                                                                                                                                                 Das Gehege sollte nicht auf dem Boden stehen, da Rennmäuse in der freien Wildbahn als Nahrungsmittel von Vögeln dienen. Die kleinen Nager mögen keinen tiefen Standort, von daher sollte das Gehege besser auf einem geeigneten Regal platziert werden.


Einrichtung:

Einstreu:
In ihrer natürlichen Umgebung legen Rennmäuse großflächige Höhlensysteme und Gänge an, weshalb stets auf eine geeignete Einstreu zu achten ist. Handelsübliches Kleintierstreu (duftneutral) eignet sich gut, sofern es nicht zu sehr staubt. Ebenfalls eignet sich Hanfstreu, dies sollte jedoch vor Benutzung auf Milbenbefall geprüft und ggf. mehrere Tage vor der Benutzung eingefroren werden. Die Einstreuhöhe sollte mindestens 20cm betragen, damit die Tiere ihrer Buddelleidenschaft ausgiebig nachgehen können. Damit die gebuddelten Gänge und Höhlen nicht einstürzen, sollte den Mäusen zusätzlich Heu und Nistmaterial (unbehandeltes Toilettenpapier oder Küchenpapier) zur Verfügung stehen.

Schlafhäuser: Rennmäuse benötigen einen Rückzugsraum. In diesem Zusammenhang eignen sich Schlafhäuser aus Holz, Kork oder Ton. Bitte darauf achten, dass keine Nägel oder Schrauben herausstehen (Verletzungsgefahr) und der verwendete Holzleim ungiftig für die Tiere ist. Die Behausung sollte eine geeignete Größe (mind. 15x15x10 cm) aufweisen und über einen ausreichend großen Eingang verfügen (mind. 5 cm). In Zoofachgeschäften werden häufig sog. „Heunester“ angeboten. Diese sind nur bedingt geeignet. Zwar kuscheln sich die Rennmäuse gerne in ihnen ein, dennoch befindet sich meist ein Drahtgestell als Grundgerüst in den Nestern. Wird das Heunest zernagt, besteht somit aufgrund des Drahtgerüsts Verletzungsgefahr. Zusätzlich sind Heunester nicht immer ordentlich verpackt, was zur steigenden Anfälligkeit für Milbenbefall führt, deshalb sollten sie vor der Benutzung mindestens 48 Stunden eingefroren werden.

Tränke + Futternapf: In der freien Wildbahn suchen sich mongolische Rennmäuse in den Steppen ihre Nahrung zusammen, weshalb sie auf die Benutzung eines Futternapfs komplett verzichten können. Futter kann vom Körnergeber gerne im kompletten Gehege verstreut und versteckt werden, somit können sich die Renner anhand der artgerechten Futtersuche beschäftigen. Frischfutter kann zum Schutz vor Verunreinigung in einem Futternapf, Futterspieß oder in Form einer Futtergirlande angeboten werden.                                                                                                                                                                           Trinkflasche und Wassernapf: Grundsätzlich sollte frisches Wasser immer zur Verfügung stehen. Ob dies mit Hilfe einer Trinkflasche oder eines Wassernapfes zur Verfügung gestellt wird, spielt eher eine untergeordnete Rolle und orientiert sich eher an der Beschaffenheit der Rennmausbehausung. Jede Variante hat vor und Nachteile. Die Trinkflasche, kann beispielsweise in Glasaquarien, schwer befestigt werden (Gumminoppen oder Klettband wird meist angenagt), ist jedoch hygienischer. Wassernäpfe sind leichter im Gehege zu platzieren, werden jedoch häufig durch buddeln mit Einstreu, Futterresten oder Kot verunreinigt, weshalb sie immer erhöht (auf Ebene oder Etage) platziert werden sollten.

Laufrad: Eine artgerechte Haltung erfordert ein Laufrad im Rennmausheim, jedoch sind nicht alle handelsüblichen Laufräder geeignet. Das Laufrad sollte einen Durchmesser von mind. 27 cm haben. Zu kleine Laufräder führen bei den Rennern zu dauerhaften und schmerzhaften Wirbelsäulenverkrümmungen.      

Ein Laufrad dessen Lauffläche aus einzelnen Sprossen oder Gittern besteht ist ungeeignet -> führt zu massiven Verletzungen! Die Rennmäuse könnten sich in den Zwischenräumen an den Füßen oder mit dem Schwanz einklemmen (Bruch oder Abreißen). Plastik ist wie oben erwähnt eindeutig tabu! 

Geeignete Laufräder sind auf der einen Seite komplett offen und auf der anderen Seite geschlossen. Das Laufrad sollte einen festen Stand im Gehege haben. Ich persönlich nutze in meinen jeweiligen Rennergehegen die Holzlaufräder der Firma "Rodipet" und habe dabei ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.


Weiterhin sind sog. „Joggingbälle“ und „Laufkugeln“  laut "Tierärztlicher Vereinigung für den Tierschutz" tierwidrig und somit absolut tabu!

Tiere gehören nicht in Bälle!!!


Badesand: In einem ordnungsgemäßen Rennmausheim sollte den Tieren Badesand zur Verfügung stehen. Diesen benötigen die Tiere zur Fell- und Krallenpflege sowie zum Stressabbau. Als Badesand eignet sich staubarmer Chinchillasand. Vogelsand, Sandkastensand, grober Quarzsand oder Bausand ist aufgrund seiner Beschaffenheit und Inhaltsstoffe ungeeignet. Falscher Sand kann zu Fellproblemen, Hautkrankheiten und Parasitenbefall führen! Da Rennmäuse das Sandbad gerne nutzen und auch darin buddeln, empfiehlt es sich das Sandbad in Form einer Bonboniere, Tonschüssel oder Glasschale anzubieten. Bei größeren Gehegen kann auch ein zusätzliches kleines Aquarium zum Sandbad ausgestaltet werden. Sofern die Rennmäuse den Badesand durch Futterreste oder Kot beschmutzen, kann dies herausgesiebt werden, dennoch sollte der Sand im Sandbad regelmäßig erneuert werden.



Beschäftigungsmöglichkeiten:

Spielsachen oder Beschäftigungsmaterialien müssen nicht immer teuer sein, man kann diese auch kostengünstig selber basteln, dazu eignen sich folgende Materialien:

  • Einfache Papprollen (ohne Klebereste) werden von den Rennmäusen gerne zernagt oder zum Anlegen von Gängen benutzt. Auch unbedruckte Kartons, beispielsweise mit Heu und verstecktem Futter gefüllt, eignen sich zur Beschäftigung der Rennmäuse.                                                                           - Korkröhren oder Korkbrücken sind ebenfalls sehr beliebt und können bedenkenlos angenagt werden. Holztunnel, durchlöcherte Äste oder sog. „Weidenbrücken“ werden ebenfalls gerne von den Rennern genutzt. Sofern Holz aus der Natur für die Rennmausbehausung gesammelt wird, bitte vorher gegen möglichen Parasitenbefall (einfrieren oder ausbacken) behandeln.  
  • Korkröhren oder Korkbrücken sind ebenfalls sehr beliebt und können bedenkenlos angenagt werden. Holztunnel, durchlöcherte Äste oder sog. „Weidenbrücken“ werden ebenfalls gerne von den Rennern genutzt. Sofern Holz aus der Natur für die Rennmausbehausung gesammelt wird, bitte ebenfalls vorher gegen möglichen Parasitenbefall (ausbacken) behandeln.

  •  Kleine Natursteine oder Ytong-Steine eignen sich ebenfalls gut fürs Rennmausgehege, da sie für die Tiere die Möglichkeit bieten, ihre Krallen abzuwetzen. Kokosnussschalen (halbiert oder mit Öffnung) bieten der Rennmaus ideale Versteckmöglichkeiten. 
  • Treppen und Etagen bieten eine gute Möglichkeit die Behausung der Renner abwechselungsreicher zu gestalten. Zusätzlich bieten sie durch ihre Erhöhung die Möglichkeit Wasser- oder Futternapf aufzustellen und diese somit vorm Buddeln zu schützen. Zusätzliche Etagen werden zwar im Handel angeboten, lassen sich jedoch auch problemlos selbst bauen und somit dem individuellen Rennmausheim anpassen.
  • Ton- oder Keramikgegenstände können im Rennmausheim platziert werden, sofern sie über eine ausreichend große Öffnung verfügen, umgedrehte kleine Blumentöpfe oder Tonschalen sind beispielsweise sehr beliebt. 

  • Pflanzen im Nagerheim erfordern Fachwissen um vor Vergiftungen zu schützen. Nicht alle Pflanzenarten sind geeignet und eine Begrünung nicht immer einfach. Eine detaillierte Beschreibung finden sie unter: http://www.diebrain.de/nh-pflanzen.html                                                                                                           

Hamsterwatte oder Stoffreste sollten den Rennmäusen nicht zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit könnten sich die Tiere an den Schlingen/Fäden Gliedmaßen abschnüren.

  • Auslauf: Das Thema Auslauf ist unter Rennmaushaltern recht umstritten. Ein tägliches Herausnehmen aus dem Gehege und in den Auslauf setzen bedeutet aufgrund ihrer starken Revierbezogenheit großen Stress für die Tiere. In ihrem natürlichen Lebensraum steht den Rennmäusen wesentlich mehr Platz zur Verfügung, weshalb der Gedanke des zusätzlichen Auslaufs dennoch durchweg nachvollziehbar ist. Sofern der Halter seinen Rennmäusen zusätzlichen Auslauf gewähren möchte sollten folgende Punkte beachtet werden:                                                                          Um die Stressfaktoren, beispielsweise das manuelle Umsetzen der Renner durch den Halter zu reduzieren, kann die Auslaufmöglichkeit direkt ans Gehege angebaut werden, wodurch die Mäuse selbst entscheiden können ob und wann sie die Auslauffläche nutzen. Weiterhin ist zu beachten, dass die Rennmausgruppe unbedingt stabil und die Auslauffläche nicht zu groß ist: Territoriales Revierverhalten kann zu Streitigkeiten und Beißerreien führen. Ist der Auslauf zu groß oder sind neue, andere Gerüche vorhanden kann der Sippengeruch möglicherweise verloren gehen. Der Auslauf sollte unbedingt durch den Halter abgesichert und beaufsichtigt werden damit keine Kabel, Steckdosen oder andere gefährlichen Gegenstände (Möbel, Teppich, Tapeten, Aschenbecher usw. ) angenagt werden können. Der Halter sollte sich zutrauen die flinken Tiere ggf. möglichst stressfrei einfangen zu können. Rennmäuse sind Flucht und Beutetiere und verstecken sich in kleinsten Spalten, hinter Schränken, unter dem Bett, was ihnen aufgrund ihrer geringen Größe problemlos gelingt, klettern können sie ebenfalls sehr gut. Zimmerpflanzen stellen ebenfalls ein Risiko für die Rennmäuse dar. Solche Problemzonen im Auslauf sollte der Halter gut absichern.                                                                    Grundsätzlich ist bei ausreichender Gehegegröße und vielseitigen Beschäftigungsmöglichkeiten ein Auslauf nicht notwendig.